Cockpit-Steuerung

Kennzahlen für Maschinenbau und CNC-Fertigung

Maschinenauslastung, Rüstzeit, Durchlaufzeit, Ausschuss, Liefertreue: welche wenigen Zahlen deine CNC-Fertigung wirklich steuern und warum.

Alexander Baliet Alexander Baliet 6 Min.

Du hast eine teure Maschine in der Halle stehen. Fünf- oder sechsstellig in der Anschaffung, manchmal mehr. Und wenn ich dich frage, wie viele Stunden die letzte Woche tatsächlich gespant hat, wie viele sie gerüstet, gewartet oder schlicht gewartet hat, dann kommt meistens eine Schätzung. Eine gute Schätzung, du kennst deinen Betrieb. Aber eine Schätzung.

Im Maschinen- und Anlagenbau, in der CNC-Fertigung, steckt dein Geld in zwei Dingen: in Stahl und in Stunden. In Material, das du einkaufst und das in der Halle liegt, und in Maschinen- und Mannstunden, die laufen oder eben nicht. Genau diese zwei Dinge sind die teuersten, und genau diese zwei Dinge sieht der durchschnittliche Geschäftsführer am unschärfsten. Du siehst den vollen Auftragsstand. Du siehst nicht, ob du an ihm verdienst.

Dieser Beitrag geht nicht durch eine Kennzahlen-Liste zum Abhaken. Er zeigt dir, welche wenigen Zahlen in deinem Gewerk wirklich über Gewinn und Verlust entscheiden, und warum die Halle, die am vollsten aussieht, oft die ist, die am wenigsten verdient.

Warum dein Auftragsstand dich täuscht

Der Auftragsstand ist die Zahl, die jeder Geschäftsführer im Anlagenbau im Kopf hat. Bücher voll, Termine bis ins nächste Quartal, die Halle brummt. Das fühlt sich nach Sicherheit an. Und genau dieses Gefühl ist gefährlich, weil ein voller Auftragsstand nichts darüber sagt, ob die Aufträge Geld bringen oder Geld kosten.

So klingt das in echten Erstgesprächen mit Geschäftsführern aus dem Maschinen- und Metallbau:

  • “Die Maschinen laufen voll, am Jahresende bleibt trotzdem fast nichts hängen.”
  • “Wir wissen nicht genau, welcher Auftragstyp uns Geld bringt und welcher uns Geld kostet.”
  • “Bei den Sonderanfertigungen verkalkulieren wir uns immer wieder, aber wir merken es erst hinterher.”

Das Muster dahinter ist fast immer dasselbe. Die lauten Dinge siehst du: die laufende Maschine, den vollen Hof, den Kunden, der drängelt. Die leisen Dinge siehst du nicht. Die Maschine, die zwölf Stunden lief, aber davon vier nur gerüstet hat. Den einen Auftragstyp, der bei jeder Kalkulation knapp aufgeht und in der Fertigung jedes Mal aus dem Ruder läuft. Den schleichenden Ausschuss an der einen Station, der als ganz normaler Materialverbrauch durchgeht. Das alles ist leise, und leise Zahlen kosten dich am meisten.

Ein Geschäftsführer aus dem Sondermaschinenbau, rund 70 Leute, hat es mal so gesagt: wir sind ausgelastet, also muss es uns ja gut gehen. Erst als wir die Marge pro Auftragstyp sichtbar gemacht haben, kam raus, dass eine ganze Produktgruppe seit über einem Jahr unter Wasser lief. Subventioniert von den anderen. Niemand hatte es gemerkt, weil die Maschinen ja liefen.

Die wenigen Zahlen, die deine Fertigung wirklich steuern

Die vier Bereiche eines Cockpits sind in jedem Betrieb gleich: kommt morgen noch Arbeit rein, sind die Aufträge sauber vorbereitet, läuft die Fertigung, bleibt am Ende Marge übrig. Das Prinzip beschreibt der Pillar zur Cockpit-Steuerung im Ganzen. Was sich von Gewerk zu Gewerk unterscheidet, sind die konkreten Zahlen. Im Maschinen- und Anlagenbau, in der CNC-Fertigung, sind es im Kern fünf, und keine davon ist neu für dich. Neu ist nur, dass du sie früh und sichtbar machst.

Die erste ist die echte Maschinenauslastung, nicht die gefühlte. Nicht “die Maschine lief”, sondern wie viel von der Laufzeit tatsächlich Wertschöpfung war. In der Sprache der Branche heißt das OEE, aber lass dich vom Begriff nicht erschlagen. Es geht um eine simple Frage: Von der Zeit, in der die Maschine hätte produzieren können, wie viel hat sie produziert, und zwar Gutteile, in der geplanten Geschwindigkeit. Diese eine Sicht entlarvt die teure Lüge der vollen Halle.

Die zweite ist die Rüstzeit. Im Maschinenbau und besonders bei kleinen Losgrößen in der CNC-Fertigung ist Rüsten oft der größte unsichtbare Kostenblock. Jeder Werkzeugwechsel, jedes neue Programm, jedes Einrichten frisst Maschinenstunden, in denen kein Span fällt. Betriebe mit vielen Sonderteilen und kleinen Serien verlieren hier mehr, als sie ahnen, weil Rüsten nie auf einer Rechnung steht. Es versteckt sich in der Auslastung.

Die dritte ist die Durchlaufzeit pro Auftrag. Wie lange braucht ein Auftrag vom Eingang bis zur Auslieferung, und wie viel davon ist echte Bearbeitung gegenüber Liegen und Warten. In den meisten Fertigungen liegt ein Werkstück den Großteil seiner Durchlaufzeit einfach nur herum, zwischen Stationen, vor der nächsten freien Maschine, im Wareneingang auf fehlendes Material. Die Durchlaufzeit ist der Frühindikator dafür, ob deine Fertigung fließt oder stockt.

Die vierte ist die Ausschuss- und Nacharbeitsquote. Jedes Teil, das du zweimal machst, hast du einmal verschenkt. Ausschuss im Maschinenbau ist teuer, weil das Material teuer ist und die Maschinenstunde noch teurer. Und Nacharbeit ist der heimtückischere Bruder vom Ausschuss, weil sie in keiner Statistik auftaucht, sondern als zusätzliche Stunde an einer eigentlich fertigen Sache.

Die fünfte ist die Liefertreue. Im Anlagenbau hängt an einem verspäteten Termin oft eine Vertragsstrafe, fast immer ein verärgerter Kunde und manchmal der Folgeauftrag. Liefertreue ist die Zahl, die dem Kunden am meisten sagt, und intern der ehrlichste Spiegel dafür, ob deine Planung mit deiner Realität übereinstimmt.

Fünf Zahlen, nicht fünfzig. Mehr braucht kein Maschinenbauer, um zu sehen, wo er steht. Welche davon bei dir die wichtigste ist, hängt von deinem Auftragsmix ab. Aber das Prinzip steht: wenige, früh, sichtbar.

So geht es garantiert schief

Hier keine Anleitung, welche Zahl du wo einträgst, nur die Diagnose der Wege, auf denen das im Maschinenbau fast immer scheitert. Erkenne deinen wieder, das ist schon der halbe Weg.

Der erste Irrweg ist die Auslastung als Selbstzweck. Der Geschäftsführer macht Maschinenauslastung zur heiligen Zahl und treibt jede Maschine auf hundert Prozent. Klingt vernünftig, ist es nicht. Eine Fertigung, die permanent am Anschlag läuft, hat keinen Puffer für den ersten Werkzeugbruch, den Eilauftrag des wichtigsten Kunden, den kranken Einrichter. Dann kippt der ganze Plan und die Liefertreue mit ihm. Volle Auslastung ohne Blick auf Durchlaufzeit und Liefertreue ist keine Steuerung, das ist Hoffen auf einen Betrieb, in dem nie etwas dazwischenkommt.

Der zweite Irrweg ist das Vermessen der falschen Ebene. Maschinenstunden werden gezählt, aber nicht aufgeschlüsselt in Wertschöpfung, Rüsten, Warten, Störung. Dann hast du eine große Zahl, die gut aussieht, und weißt trotzdem nicht, warum die Maschine kein Geld verdient. Die Frage bei jeder Kennzahl ist: was tue ich anders, wenn sie kippt? Eine Auslastungszahl, die nicht zeigt, wo die Stunden versickern, löst keine Handlung aus. Sie ist Dekoration mit Nachkommastelle.

Der dritte Irrweg, und der teuerste, ist die Marge erst im Nachhinein. Die meisten Maschinenbauer wissen erst beim Jahresabschluss, welcher Auftragstyp Geld verbrannt hat. Da ist das Jahr vorbei. Wer die Nachkalkulation nicht laufend gegen die Vorkalkulation hält, wiederholt denselben Fehlpreis bei der nächsten Sonderanfertigung und der übernächsten. Du siehst den Kostenfresser erst, wenn er schon ein Jahr gefressen hat. Das ist keine Steuerung, das ist eine teure Obduktion.

Diese drei sind keine Fehler, die man mit teurerer Software abstellt. Keiner davon ist ein Tool-Problem. Du löst sie nur, indem die richtigen Zahlen sauber im Prozess entstehen und von der Mannschaft selbst getragen werden. Und genau da, beim Wie, hört der Blog auf und fängt die Werkstatt-Arbeit an.

Wo das ins System gehört

Im BALIET-SYSTEM ist das die Cockpit-Steuerung in der dritten und vierten Stufe der P4-Methode: die Prozesse erzeugen die Zahlen, die Performance macht sie sichtbar. Das funktioniert nur mit dem, was wir narrensichere Prozesse nennen. Abläufe, die so klar sind, dass die Maschinenstunde, die Rüstzeit, der Ausschuss automatisch im richtigen Topf landen, ohne dass abends jemand Zettel abtippt. Wenn die Zahl erst per Hand zusammengesucht werden muss, entsteht sie nie verlässlich, und ein Cockpit mit unverlässlichen Zahlen ist schlimmer als gar keins.

Und das Cockpit gehört nicht dir allein. Ein Dashboard, auf das nur der Chef schaut, schläft nach drei Wochen ein. Ein Cockpit, das der Einrichter an seiner Maschine sieht, das die Schicht im täglichen Zehn-Minuten-Treffen vor der Tafel liest, das gehört der Mannschaft und wird gepflegt. Der Trainer steht an der Seitenlinie und sieht die Zahlen, gespielt wird auf dem Hallenboden.

Welche fünf Zahlen genau, in welcher Aufschlüsselung, in welchem Rhythmus, auf welcher Tafel oder in welchem System, das steht in keinem Blog-Post, und das ist keine Koketterie. Das ist Methodik. Die richtigen Zahlen für einen Sondermaschinenbauer mit 80 Leuten und Losgröße eins sind die falschen für einen Serienfertiger mit 40. Welche Zahl bei dir eine Entscheidung auslöst, findet man nicht am Schreibtisch, sondern an deinen echten Aufträgen, an deinen Maschinen, an deinen Engpässen. Das Wie ist Werkstatt-Arbeit am konkreten Betrieb, kein Bauplan zum Abhaken.

Wenn du das Gefühl kennst, voll ausgelastet zu sein und am Jahresende trotzdem nicht zu wissen, wo der Gewinn geblieben ist, dann ist das kein Charakter-Mangel. Das ist die typische Stelle, an der Geschäftsführer im Maschinen- und Anlagenbau hängen bleiben. Im Erstgespräch schauen wir uns 30 Minuten an, wie du heute steuerst und wo dein blinder Fleck liegt. Kein Verkaufsgespräch, eine Diagnose. Du erzählst, womit du deine Fertigung steuerst, und wir sagen dir ehrlich, welche Zahl dir fehlt, damit die volle Halle nicht länger über die leere Marge hinwegtäuscht.

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